Trauma nach Trennung? Verluste geliebter Personen richtig verarbeiten

Phasen einer Trennung

Grundsätzlich gibt es keine einheitliche wissenschaftliche Einteilung der Phasen einer Trennung, da dieser Prozess sehr individuell und komplex ist. Dennoch haben Experten und Forscher einige allgemeine Phasen beschrieben, die viele Menschen während einer Trennung durchlaufen:

  1. Erschütterung und Schock: In dieser ersten Phase ist das Ende der Beziehung oft schwer zu glauben und zu akzeptieren. Menschen fühlen sich benommen und haben Schwierigkeiten die Realität der Trennung zu erfassen.
  2. Verleugnung und Weigerung: In dieser Phase können Menschen dazu tendieren die Trennung zu verleugnen und sich weigern, die Realität zu akzeptieren. Es fällt ihnen schwer, sich mit den unangenehmen Gefühlen auseinanderzusetzen.
  3. Emotionale Achterbahn: Während dieser Phase schwanken die Emotionen stark. Trauer, Wut, Schuldgefühle und Sehnsucht können sich abwechseln und oft fühlen sich die Betroffenen überwältigt und durcheinander.
  4. Suche nach Erklärungen und Rückblick: In dieser Phase versuchen Menschen oft Antworten auf die Frage zu finden, warum die Beziehung gescheitert ist. Es werden viele Gedanken und Erinnerungen an die Vergangenheit hervorgerufen.
  5. Loslassen und Entflechtung: Die Betroffenen beginnen die Beziehung loszulassen und sich von den Erinnerungen und Verbindungen zu lösen. Es ist ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt, um Raum für eine neue Zukunft zu schaffen.
  6. Akzeptanz und Selbstreflexion: In dieser Phase beginnt die Akzeptanz der Trennung. Die Betroffenen reflektieren über ihre Rolle in der Beziehung und nehmen die Realität an, dass die Beziehung vorbei ist. Selbstreflexion und Wachstum sind typisch in dieser Phase.
  7. Neuausrichtung und Integration: Nachdem die Trennung akzeptiert wurde, wird begonnen sich auf neue Ziele und Perspektiven auszurichten. Betroffene entwickeln neue Routinen, Hobbys und Interessen und arrangieren sich Stück für Stück mit ihrer veränderten Lebenssituation.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Phasen nicht immer linear verlaufen und sich auch wiederholen können. Einige Menschen können längere Zeit in einer bestimmten Phase verharren, während andere schneller voranschreiten.

Was passiert wenn eine Trennung nicht verarbeitet wird…

Wenn eine Trennung nicht verarbeitet wird, kann dies langfristige und tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben und die psychische Gesundheit einer Person haben. Die Emotionen und der Schmerz, die mit der Trennung einhergehen, können sich festsetzen und im Laufe der Zeit verstärken. Es folgen einige mögliche Konsequenzen:

Anhaltende emotionale Belastung: Gefühle wie Trauer, Wut, Enttäuschung und Verzweiflung können stark präsent sein und dazu führen, dass Betroffene Schwierigkeiten haben den Trennungsschmerz zu bewältigen und ihn immer wieder neu zu erleben.

Psychische Probleme: Unterdrückte Emotionen und der Schmerz können das psychische Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen und zu Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen führen.

Schwierigkeiten in zukünftigen Beziehungen: Unverarbeitete Gefühle und ungelöste Konflikte aus vergangenen Beziehungen können in neuen Partnerschaften wieder auftauchen und zu Kommunikationsproblemen, Vertrauensproblemen sowie Auseinandersetzungen führen.

Niedriges Selbstwertgefühl: Eine nicht verarbeitete Trennung kann dafür sorgen, dass betroffene Personen sich als unattraktiv oder unzureichend betrachten und an sich selbst zweifeln. Die negative Sicht auf sich selbst kann folglich das Selbstvertrauen stark beeinträchtigen.

Soziale Isolation: Die emotionalen Herausforderungen können dazu führen, dass sich Betroffene von ihrem sozialen Umfeld zurückziehen. Sie können sich isoliert und einsam fühlen sowie Schwierigkeiten haben, sich anderen Menschen zu öffnen und Unterstützung zu suchen.

Physische Auswirkungen: Unverarbeitete Trennungen können auch physische Auswirkungen haben. Chronischer Stress und emotionale Belastung schwächen oft das Immunsystem und führen zu widerkehrenden Infekten, Migräne oder anhaltender Müdigkeit.

Rückzug von Lebenszielen: Schlussendlich können Betroffene auch den Glauben an eine positive Zukunft verlieren und sich in negativen Gedankenmustern verfangen, die sie daran hindern neue Chancen zu ergreifen.

Natürlich führt nicht jede unverarbeitete Trennung zwangsläufig zu all diesen Auswirkungen. Es ist jedoch wichtig, sich vor Augen zu führen, dass eine Verdrängung negativer Gefühle dazu führen kann. Aus diesem Grund ist es ratsam sich Unterstützung bei der Aufarbeitung zu suchen, um langfristige negative Konsequenzen zu vermeiden.

Praktische Tipps um Trennungen zu verarbeiten

Die Verarbeitung einer Trennung ist folglich ein wichtiger Schritt, um zu verhindern, dass sie zu einem Trauma wird. Eine Trennung kann zwar schmerzhaft sein, aber mit angemessener Selbstfürsorge und Unterstützung kann der Weg zur Heilung erfolgreich bewältigt werden. Es folgen einige Schritte, die für eine gesunden Verarbeitung hilfreich sein können:

Emotionen zulassen: Es ist bedeutsam sich selbst zu erlauben alle Emotionen, die mit der Trennung einhergehen, zuzulassen und anzunehmen. Trauer, Wut, Verzweiflung, Angst und andere Gefühle sind normal und ein Teil des Verarbeitungsprozesses. Das Unterdrücken oder Verleugnen von Emotionen kann zu einer längeren Verarbeitungszeit führen.

Was dabei hilfreich sein kann:

  • Selbstakzeptanz: Akzeptieren Sie, dass es völlig normal ist Gefühle zu haben, sowohl positive als auch negative. Versuchen Sie nicht, Ihre Gefühle zu verurteilen oder zu unterdrücken.
  • Journaling: Schreiben Sie Ihre Gefühle auf. Das Aufschreiben Ihrer Gedanken und Emotionen kann dazu beitragen sie zu verarbeiten und besser zu verstehen.
  • Achtsamkeit: Praktizieren Sie Achtsamkeit, indem Sie sich bewusst auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren. Das kann helfen, Ihre Gefühle ohne Urteil wahrzunehmen.
  • Atemübungen: Tiefes Atmen und Entspannungstechniken können helfen Ihre Emotionen zu beruhigen und sie zuzulassen, anstatt sie zu unterdrücken.

Mitgefühl für sich selbst: Seien Sie mit sich selbst sanft und mitfühlend. Es ist völlig in Ordnung, sich traurig und verletzt zu fühlen. Vermeiden Sie es, sich selbst zu kritisieren oder sich die alleinige Schuld für die Trennung zu geben.

Was dabei hilfreich sein kann:

  • Selbstmitgefühl üben: Stellen Sie sich vor, wie Sie mit einem Freund sprechen würden, der in einer ähnlichen Situation ist wie Sie. Sprechen Sie mit sich selbst genauso liebevoll und unterstützend.
  • Sich Zeit nehmen: Planen Sie regelmäßig Zeit für Selbstfürsorge ein, beispielsweise in Form eines entspannenden Bades oder einer Meditationssitzung.
  • Fehler akzeptieren: Niemand ist frei von Fehlern. Akzeptieren Sie Ihre Fehler als Gelegenheit zum Lernen und Wachsen, anstatt sich selbst zu kritisieren.

Soziale Unterstützung suchen: Teilen Sie Ihre Gefühle mit Freunden oder der Familie. Soziale Unterstützung ist eine wertvolle Ressource um den Schmerz zu bewältigen und das Gefühl der Isolation zu reduzieren.

Was dabei hilfreich sein kann:

  • Vertrauenswürdige Personen auswählen: Wenden Sie sich an Menschen, die Ihre Gefühle respektieren und Ihre Sorgen diskret behandeln.
  • Selbsthilfegruppen suchen: Suchen Sie nach Gruppen, in denen Menschen in ähnlichen Situationen Hilfe und besonderes Verständnis bieten können.
  • Dankbarkeit ausdrücken: Zeigen Sie Dankbarkeit gegenüber denen, die Ihnen geholfen haben. Dies stärkt Ihre Beziehungen und ermutigt andere, Ihnen weiterhin Unterstützung anzubieten.

Zeit nehmen: Geben Sie sich selbst Zeit um zu trauern und die Trennung zu verarbeiten. Es ist ein individueller Prozess und es gibt kein festes Zeitlimit, wie lange die Verarbeitung dauern sollte.

Was dabei hilfreich sein kann:

  • Abschiedsrituale: Briefe verbrennen, Geschenke verschenken oder schreiben Sie nur für sich einen schönen, wohlwollenden Abschiedsbrief mit allem, was gut war.
  • Ausmisten: Alles, was Sie an die verlorene Person erinnert und die Trennungsschmerzen triggert darf erst mal in den Keller, falls es nicht gleich in die Tonne soll.

Sich neue Ziele setzen: Nach der Verarbeitungsphase ist es wichtig, sich auf neue Ziele und Interessen zu konzentrieren. Setzen Sie sich neue Herausforderungen und schaffen Sie sich eine positive Perspektive für die Zukunft.

Was dabei hilfreich sein kann:

  • Reflektion: Beginnen Sie damit sich selbst und Ihre aktuellen Wünsche, Träume und Interessen zu reflektieren. Was sind Ihre Werte, was treibt Sie an und was möchten Sie in verschiedenen Lebensbereichen erreichen?
  • SMART-Ziele setzen: Verwenden Sie die SMART-Kriterien, um klare und gut definierte Ziele zu erstellen. SMART steht für spezifisch (specific), messbar (measurable), erreichbar (achievable), relevant (relevant) und zeitlich begrenzt (time-bound). Diese Kriterien helfen Ihnen Ihre Ziele klar zu formulieren und den Fortschritt zu verfolgen.
  • Prioritäten setzen: Identifizieren Sie welche Ziele in Ihrem Leben Priorität haben. Welche sind am wichtigsten für Ihre persönliche Entwicklung und Zufriedenheit?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Verarbeitung der Trennung zu überwältigend ist oder Sie Schwierigkeiten haben mit Emotionen umzugehen, ist es sinnvoll professionelle Hilfe in Betracht zu ziehen. Ein Therapeut kann dabei helfen den Prozess zu erleichtern und Ihnen verschiedenste Strategien an die Hand geben. Ziel ist die Trennung als eine Lebenserfahrung zu betrachten, aus der gelernt wird und Wachstum entstehen kann.

Quellenangaben
  • Behrmann, Dorothea: Die 7 Phasen des Loslassens: Wie Sie aus Trennungen gestärkt hervorgehen. München, 2022.
  • Stolzenburg, Wieland: Trennung überwinden: Der Weg vom Liebeskummer zur Lebensfreude. Norderstedt, 2019.
  • Werneck, Harald & Werneck-Rohrer, Sonja: Psychologie der Scheidung und Trennung: Theoretische Modelle, empirische Befunde und Implikationen für die Praxis. Wien, 2010.
  • Znoj, Hansjörg: Trauer und Trauerbewältigung: Psychologische Konzepte im Wandel. Stuttgart, 2022.

Kategorien: Trauma

Verena Klein
Autor:in Verena Klein
"Die LIMES Schlosskliniken haben sich auf die Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen spezialisiert. Mit Hilfe des Blogs möchten wir als Klinikgruppe die verschiedenen psychischen Erkrankungen näher beleuchten und verschiedene Therapien sowie aktuelle Themen vorstellen."

Diesen Beitrag teilen