Burnout durch Homeoffice

Es geht wieder los: Die vierte Corona-Welle schickt unzählige Arbeitnehmer erneut ins Homeoffice. Die meisten haben durch die Pandemie schon Homeoffice-Erfahrungen gesammelt und gemerkt: Homeoffice bedeutet nicht weniger, sondern oft mehr Stress! Die Gefahr eines Burnouts durch Homeoffice ist hoch, da sich das Arbeitsleben durch den Umzug ins Homeoffice stark verändert. Welche Schwierigkeiten das Homeoffice auf psychischer Ebene mit sich bringen kann und wie Sie sich vor einem Burnout durch Homeoffice schützen können, zeigt dieser Artikel.

Gefahr eines Burnouts durch Homeoffice

Auf der einen Seite ist der Rückzug ins Homeoffice ein Privileg: Im Homeoffice sind Arbeitnehmer wesentlich besser vor dem Corona-Virus geschützt, da sie sich Arbeitswege sparen und Kontakte reduzieren. So hat sich das Homeoffice als wichtiger Baustein im Kampf gegen die Pandemie etabliert. Auf der anderen Seite hat das Homeoffice das Arbeitsleben drastisch verändert. Es gibt positive Veränderungen, wie mehr Zeit, mehr Flexibilität oder bessere Digitalisierung, aber auch negative Veränderungen wie Dauer-Erreichbarkeit, mangelnde Absprachen oder Überstunden, die ein Burnout begünstigen.

Homeoffice kann Routinen durcheinanderbringen

Es zeigt sich, Arbeit und Freizeit im Homeoffice stark miteinander verschmelzen. So ist es bei der Arbeit zuhause nicht selten der Fall, dass auch nach Feierabend der Laptop an bleibt und doch noch die ein oder andere E-Mail gecheckt wird. Zudem fällt es vielen Arbeitnehmern im Homeoffice schwerer, Arbeits- und Pausenzeiten zu koordinieren. Es gibt keine Kollegen und keine Kantinenzeiten, an denen man sich orientieren kann und die einen gewissermaßen zu Pausen zwingen. So kommt es, dass Arbeitnehmer im Homeoffice schneller ihrer Grenzen überschreiten und sich ein Burnout entwickeln kann.

Fehlende Räumliche Trennung von Arbeit und Freizeit

Durch das Homeoffice wird die Wohnung vom Ort der Entspannung zu einem Ort der Arbeit. Möglicherweise gibt es nicht einmal ein abgetrenntes Arbeitszimmer. Die Arbeit findet dann an Orten statt, die eigentlich für das Familienleben oder die Entspannung vorgesehen sind, nämlich Küche, Wohn- und Schlafzimmer. Hierdurch wird es immer schwerer, Arbeit und Freizeit voneinander zu trennen und abzuschalten. Der Stresspegel steigt und so auch die Gefahr eines Burnouts durch Homeoffice.

Homeoffice erschwert die Kommunikation mit Kollegen

Durch die räumliche Trennung fallen informelle Kommunikationskanäle in Firmen weg: Kein Smalltalk mehr auf dem Flur, keine gemeinsamen Kaffeepausen, keine Gespräche zwischen buchstäblich „Tür und Angel.“. Die Informationsweiterleitung kann so massiv gestört werden, was Stress auslösen kann. Auch Wertschätzung und Lob kommen über digitale Kanäle schlechter beim Gegenüber an. Neben zu viel Arbeit fühlen sich manche Arbeitnehmer im Homeoffice also nicht gesehen, wenig unterstützt und die Unzufriedenheit mit der Jobsituation steigt. Motivierende Erfolgserlebnisse fallen weg und der Spaß am Job geht nach und nach verloren.

Homeoffice verschärft Einsamkeit

Die Arbeit ist bei den meisten Menschen nicht nur Broterwerb, sondern auch ein Ort sozialer Interaktion. Im Homeoffice wird diese erschwert und auch außerhalb der Arbeit fallen viele Kontakte aufgrund der Corona-Pandemie weg. Die entstehende Einsamkeit kann dramatische Folgen haben: Der Stress, der auf der Arbeit entsteht, wird nicht mehr durch Aktivitäten mit anderen Menschen abgebaut. Viele Arbeitnehmer ziehen sich zurück, vernachlässigen Hobbys und widmen sich nach einiger Zeit ausschließlich ihrer Arbeit, was den Teufelskreis der Überlastung in Gang hält.  

Anzeichen für ein Burnout durch Homeoffice

Womit macht sich ein Burnout bemerkbar? Ein Burnout ist eine arbeitsbedingte Belastungsreaktion, die sich ganz unterschiedlich äußern kann. Manche Betroffene fühlen sich durch ein Burnout antriebs- und energielos, sodass sie sich kaum noch an die Arbeit setzen können. Andere wiederum wirken gehetzt und sind im Kopf nur noch mit der Arbeit beschäftigt. Sie stürzen sich auf eine Aufgabe nach der nächsten und gönnen sich keine Pausen. Nach einiger Zeit macht die Psyche diese Dauerbelastung nicht mehr mit. Mit einem Burnout geht oft ein Verlust von jeglicher Freude einher, auch bei Tätigkeiten, die früher Spaß gemacht haben. Zudem zeigen sich häufig psychosomatische Beschwerden, wie Rücken- oder Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden.

Was hilft gegen ein Burnout durch Homeoffice?

Damit die Arbeit im Homeoffice nicht in einem Burnout mündet, können Arbeitnehmer aber auch Arbeitgeber einige Punkte beachten.

  • Routinen schaffen und schützen: Es ist hilfreich, auch im Homeoffice Kernarbeits- und Pausenzeiten wie gewohnt einzuhalten. Am besten ist es, die Pausen fest in den Kalender einzutragen und hier keine Termine zu legen.
  • Arbeit und Freizeit voneinander abgrenzen: Hier ist zum einen die räumliche Trennung von Vorteil. Das Schlafzimmer sollte zum Beispiel besser nicht zum Arbeiten genutzt werden, damit es ein Raum der Ruhe und Entspannung bleiben kann. Zudem kann es helfen, sich jeden morgen zurecht zu machen und Arbeitskleidung anzuziehen. Dann fühlt sich der Wechsel in die bequeme Kleidung zum Feierabend noch besser an!
  • Digitale Kaffeepausen mit Kollegen vereinbaren: Um auch Smalltalk und anderen Gesprächen Platz zu geben, ist es möglich, sich mit Kollegen zu digitalen Pausen zu treffen, bei denen explizit keine Arbeitsinhalte besprochen werden.
  • Frische Luft und gute Arbeitsbedingungen: Ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause macht den Kopf frei. Zudem sollte der Schreibtisch gut ausgerüstet und alle Technik, die für ein komfortables Arbeiten benötigt wird, vorhanden sein.
  • Erreichbarkeit einschränken: Es sollte zur Selbstverständlichkeit werden, dass Arbeitnehmer nicht rund um die Uhr erreichbar sind. Irgendwann muss der Raum zur Entspannung und zum Abschalten gegeben werden, sonst droht ein Burnout.
  • Arbeitgeber sorgen für gute Kommunikation: Auf Arbeitgeberseite ist es wichtig, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitenden und zwischen den Mitarbeitenden und der Führungsetage aufrecht zu halten und die Arbeitnehmer ausdrücklich dazu zu ermutigen, sich die Pausen zu nehmen, die sie brauchen.

Wenn Arbeitnehmer merken, dass ein Burnout droht oder bereits entstanden ist, ist es ratsam, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Es gibt einen Weg heraus aus der Burnout-Spirale –  die Limes Schlosskliniken unterstützen hier gerne!

Quellenangaben

Burisch, M. (2014). Das burnout-syndrom. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.

Lohmann-Haislah, A. (2012). Stressreport Deutschland 2012: Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Senger, K. (2018). Burnout 2.0. PiD-Psychotherapie im Dialog, 19(03), 13-14.

Wittchen, H.-U. & Hoyer, J. (2006). Klinische Psychologie & Psychotherapie. Berlin-Heidelberg: Springer.

Kategorien: Burnout Long-Covid

Vanessa Graßnickel
Chefärztin, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Vanessa Graßnickel
Dr. med. Vanessa Graßnickel ist eine anerkannte Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach langjähriger Tätigkeit als Oberärztin übernahm sie 2024 die Position als Chefärztin der LIMES Schlossklinik Fürstenhof in Bad Brückenau. Dr. Graßnickel spezialisiert sich auf verhaltenstherapeutisch basierte Behandlungen und Suchtmedizin, fundiert durch ihr Medizinstudium an der Ruhr-Universität Bochum und einer umfangreichen fachärztlichen Ausbildung an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Bochum. In ihrer Rolle als Chefärztin verbindet Dr. Graßnickel modernste diagnostische und therapeutische Methoden mit einer empathischen, respektvollen Patientenbetreuung sowie maßgeschneiderten Therapieplänen.

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